Karl Weber: Brief an Ernst Weber, 1944-03-27

O.U., den 27. März 1944

Feldwebel Karl Weber
23542

 

Lieber Ernst!

Endlich habe ich auch von Dir ein Lebenszeichen, Deinen Brief vom 27.2., erhalten. Ich danke Dir vielmals dafür, vor allem freut es mich, dass es auch Dir den Verhältnissen entsprechend gut geht.

Ich weiß im Moment nicht wann und was ich Dir im letzten Brief geschrieben habe. Also, wie Du nun schon von mehreren Seiten wissen wirst, uns ist am 13.2. ein kleines Töchterchen geboren worden. Ich selbst war Anfang März auf einer Dienstreise nach Berlin und Dresden wieder für 4 Tage zu Hause und habe mir bei dieser Gelegenheit mein Werk besehen können. Unsere Ingrid ist ein liebes kleines Püppchen und ist ebenso wie Ilse gesund und munter, jedenfalls sind wir sehr glücklich. Nun müsste nur noch Frieden und wir immer zu Hause sein können.

Bist Du noch immer an Deinem alten Standort oder seid auch Ihr zu den schweren Abwehrkämpfen herangezogen worden? Im Süden drückt ja der Russe jetzt gewaltig und wie mir es scheint nicht erfolglos, er macht Tag für Tag neue Fortschritte und ich glaube es wird höchste Zeit, dass ihm ein energisches Halt geboten wird. Ja, wenn wir im Westen nicht soviel Truppen in Bereitschaft halten müssten, ich glaube der Russe wäre dann vielleicht schon längst erledigt. Aber so, mit unseren Abwehrkräften allein ist dies nicht so leicht. Wir wollen trotzdem hoffen, dass auch dieser gewaltige Ansturm sein Ende findet. Man erwartet ja nun täglich die Invasionsversuche der Westmächte, von ihrem Erfolg hängt für uns vieles ab und wenn wir dann in der Lage sind unsere Vergeltung anzusetzen, dann muss auch dieser Feind zusammenbrechen. Hoffen wir, dass dies recht bald der Fall ist!

Von mir selbst gibt es noch nichts neues wieder zu berichten, es geht mir noch immer recht gut. Von Hans bekam ich nach langer Zeit auch mal wieder Post, er ist jetzt bei einem Lehrgang in der Slowakei. Auch Wolfgang und Alfred geht es noch gut, sodass sich die Eltern zur Zeit wohl nicht so sehr um ihrer Jungs sorgen müssen. Hoffen wir, dass der Krieg nun recht bald zu Ende geht und wir uns dann alle gesund und munter in der Heimat wiedersehen werden. In dieser Hoffnung will ich für heute schließen.

Ich wünsche Dir alles Gute, vor allem immer recht viel Soldatenglück!

Herzliche Grüße
Dein Bruder Karl

Briefumschlag mit Feldostnummern 23542 34541

Dieser Brief ging zurück an den Absender Karl Weber, da der Adressat Ernst Weber vor der Zustellung, am 29.04.1944 gefallen ist.

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